FeNO-Test: Luftwegentzündung bei Asthma messen und behandeln

FeNO-Test: Luftwegentzündung bei Asthma messen und behandeln
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 24 Dez 2025 14 Kommentare

Was ist ein FeNO-Test und warum ist er wichtig bei Asthma?

Ein FeNO-Test misst den Gehalt an Stickstoffmonoxid in deiner Ausatmungsluft. Dieser Wert gibt Aufschluss darüber, ob deine Atemwege entzündet sind - ein typisches Merkmal von Asthma, besonders bei allergischem oder eosinophilischem Asthma. Im Gegensatz zu Spirometrie, bei der du hart in ein Gerät hineinatmen musst, brauchst du beim FeNO-Test nur ruhig und gleichmäßig auszuatmen. Es dauert weniger als eine Minute, tut nicht weh und ist auch für Kinder ab fünf Jahren geeignet.

Der Test funktioniert, weil bei entzündeten Atemwegen besonders viel Stickstoffmonoxid produziert wird. Hohe Werte zeigen an, dass deine Immunzellen - vor allem Eosinophile - aktiv sind. Das ist wichtig, weil diese Zellen die Ursache für Atemnot, Pfeifen und Enge in der Brust sein können. Wenn dein Arzt weiß, dass eine solche Entzündung vorliegt, kann er gezielt Medikamente verschreiben, die genau dagegen wirken: Inhalierte Kortikosteroide oder neuere Biologika wie Dupilumab.

Wie läuft ein FeNO-Test ab?

Bevor du den Test machst, solltest du eine Stunde lang nicht essen, trinken (außer Wasser), rauchen oder Sport treiben. Auch Mundspülungen oder Nasensprays können das Ergebnis verfälschen. Du setzt dich hin, bekommst eine kleine Sonde in den Mund, atmest tief ein - und dann exhalierst du langsam und gleichmäßig, wie wenn du eine Kerze ausblasen würdest, aber ohne zu pusten. Der Apparat filtert die Umgebungsluft heraus und misst nur das Stickstoffmonoxid aus deinen Lungen.

Die Messung erfolgt bei einer konstanten Atemflussrate von 50 Milliliter pro Sekunde. Die meisten Geräte wie das NIOX VERO® oder NObreath® zeigen dir auf einem Bildschirm an, ob du richtig atmest. Wenn du zu schnell oder zu unregelmäßig ausatmest, wird der Test abgebrochen und wiederholt. Ein gültiger Wert liegt zwischen 5 und 1000 ppb (Teile pro Milliarde). In Deutschland und Europa wird oft der Grenzwert von 25 ppb bei Erwachsenen und 20 ppb bei Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren als Hinweis auf eine entzündliche Asthmaform genutzt.

Was bedeuten die Werte?

Ein Wert unter 25 ppb bei Erwachsenen deutet meist auf eine geringe oder keine eosinophile Entzündung hin. Das kann bedeuten, dass dein Asthma nicht durch Allergien oder Immunreaktionen ausgelöst wird, sondern durch andere Faktoren wie Reizstoffe, Stress oder Infekte. In solchen Fällen helfen Kortikosteroide oft weniger - und dein Arzt könnte andere Behandlungswege prüfen.

Ein Wert zwischen 25 und 50 ppb zeigt eine mittlere Entzündung an. Hier ist eine Behandlung mit Inhalatoren meist sinnvoll, aber es lohnt sich, den Wert über Wochen oder Monate zu verfolgen. Steigt er an, obwohl du deine Medikamente einnimmst, könnte dein Asthma schlecht kontrolliert sein. Ein Wert über 50 ppb deutet auf eine starke, aktive Entzündung hin. Das ist ein klares Signal: Dein aktuelles Behandlungsschema funktioniert nicht mehr. In solchen Fällen wird oft auf Biologika umgestellt - Medikamente, die gezielt die Entzündungsmechanismen blockieren.

Warum ist FeNO besser als Spirometrie oder Bluttests?

Spirometrie misst, wie gut du Luft aus deinen Lungen pressen kannst. Aber sie sagt nichts darüber, warum deine Atemwege eng werden. Du kannst eine normale Spirometrie haben und trotzdem starke Entzündungen - und umgekehrt. FeNO hingegen zeigt direkt die biologische Ursache: die Entzündung.

Bluttests auf Eosinophile sind ebenfalls nützlich, aber sie sind nicht so genau wie FeNO. Studien zeigen, dass FeNO-Werte stärker mit der Entzündung in den Atemwegen korrelieren als Blutwerte. Außerdem ist ein Bluttest invasiv - du musst eine Vene punktiert bekommen. FeNO ist einfach, schnell und schmerzfrei.

Sputum-Analysen - also das Auswurfmaterial auf Eosinophile untersuchen - sind noch genauer, aber sie sind unangenehm, zeitaufwendig und nur in Speziallaboren möglich. FeNO dagegen kann jeder Arzt, jeder Allergologe oder sogar ein Pfleger im Praxisalltag durchführen. Die Ergebnisse liegen nach 30 Sekunden vor.

Ein Mädchen beobachtet einen FeNO-Verlauf auf ihrem Smartphone, Sonnenlicht fällt durch das Fenster.

Wann hilft FeNO nicht?

FeNO ist kein Allheilmittel. Es erkennt nur type-2-Inflammation - also die Form von Asthma, die mit Allergien, Eosinophilen und Immunreaktionen zusammenhängt. Wenn dein Asthma durch Rauchen, Luftverschmutzung oder Infekte ausgelöst wird - ohne dass Eosinophile beteiligt sind - ist dein FeNO-Wert oft normal. In diesen Fällen hilft der Test nicht weiter.

Auch wenn du gerade Kortikosteroide einnimmst, kann der Wert künstlich niedrig sein. Das heißt: Der Test zeigt dir nicht, wie dein Asthma früher war, sondern nur, wie es jetzt ist. Deshalb sollte er immer im Kontext mit deinen Symptomen, deiner Krankengeschichte und anderen Tests wie der Spirometrie gesehen werden.

Ein weiterer Nachteil: FeNO kann auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein - zum Beispiel bei allergischer Rhinitis, eosinophiler Bronchitis oder sogar bei bestimmten Infektionen. Deshalb ist es wichtig, dass dein Arzt die Werte nicht isoliert interpretiert, sondern immer mit deinem gesamten klinischen Bild abgleicht.

Wie wird FeNO in der Behandlung eingesetzt?

FeNO ist kein Diagnosetool - es ist ein Behandlungsleitfaden. Die Leitlinien von GINA und NICE empfehlen, den Wert regelmäßig zu messen, besonders wenn deine Asthma-Symptome schlecht kontrolliert sind oder du Medikamente wechselst.

Wenn du zum Beispiel seit Monaten deine Inhalatoren nimmst, aber immer noch nachts wach wirst oder dich bei Anstrengung nicht mehr richtig bewegen kannst, kann ein hoher FeNO-Wert den Grund liefern: Deine Entzündung ist nicht unter Kontrolle. Dein Arzt könnte dann die Dosis erhöhen oder auf ein anderes Medikament umstellen.

Studien zeigen: Wer seinen FeNO-Wert regelmäßig überwacht und danach behandelt wird, hat bis zu 50 % weniger Asthmaanfälle. Das ist kein kleiner Unterschied. Es bedeutet weniger Notfälle, weniger Krankenhausaufenthalte und weniger verlorene Arbeitstage.

Ein Fall aus der Praxis: Eine 34-jährige Patientin wurde sieben Jahre lang als chronische Bronchitis behandelt - obwohl sie immer wieder Atemnot hatte. Erst als ihr FeNO-Wert bei 48 ppb lag, wurde korrekt Asthma diagnostiziert. Mit einer gezielten Therapie war sie innerhalb von acht Wochen symptomfrei.

Was sagen Patienten über FeNO?

Viele Menschen, die den Test gemacht haben, sind überrascht, wie einfach er ist. Auf Foren wie Asthma + Lung UK berichten 87 % der Befragten, dass sie den Test als „sehr einfach“ oder „einfach“ empfanden. Ein Nutzer schrieb: „Ich dachte, es wäre wie eine Lungenfunktion - mit vielen Versuchen. Stattdessen hat es 30 Sekunden gedauert. Endlich hatte ich einen messbaren Beweis, dass mein Asthma nicht nur in meinem Kopf war.“

Aber es gibt auch Probleme. Einige Patienten erleben unzuverlässige Ergebnisse - oft, weil sie nicht richtig atmen oder das Gerät nicht kalibriert ist. Andere kämpfen mit der Kostenübernahme. In den USA werden nur 58 % der kommerziellen Versicherungen von FeNO-Tests abgedeckt. In Deutschland ist die Situation ähnlich: Viele Kassen zahlen nur, wenn der Arzt nachweist, dass es eine medizinische Notwendigkeit gibt - und das ist oft schwer.

Einige Patienten berichten, dass sie den Test als „unnötig“ empfinden, wenn sie sich gut fühlen. Aber genau das ist der Punkt: FeNO zeigt dir, was unter der Oberfläche passiert. Du kannst dich gut fühlen - und trotzdem eine wachsende Entzündung haben, die bald zu einem Anfall führt.

Verschiedene Patienten in einer Praxis, ihre Atemwege visualisiert als farbige Lichtpartikel.

Was ist neu im FeNO-Test?

Seit Februar 2023 gibt es das erste smartphonefähige FeNO-Gerät: Breathometer Asthma. Es kostet etwa 299 Euro und verbindet sich mit einer App, die deine Werte speichert, Trends zeigt und dir erlaubt, sie direkt mit deinem Arzt zu teilen. Das ist ein großer Schritt in Richtung Selbstmanagement.

In Europa werden neue Leitlinien veröffentlicht, die FeNO auch zur Vorhersage der Ansprechraten auf Biologika wie Benralizumab oder Mepolizumab empfehlen. Das ist besonders wichtig, weil diese Medikamente teuer sind - bis zu 20.000 Euro pro Jahr. Mit FeNO kann man vorher erkennen, wer davon profitieren wird, und wer nicht.

Die Forschung läuft weiter: Die NIH startet aktuell die PREPARE-Asthma-Studie, um zu prüfen, ob FeNO-Werte in verschiedenen Bevölkerungsgruppen - etwa bei Menschen mit unterschiedlichem Genhintergrund oder in ländlichen Regionen - gleich interpretiert werden können. Bislang basieren die Grenzwerte hauptsächlich auf Studien mit weißen, europäischen Patienten.

Was du als Patient tun kannst

  • Frage deinen Arzt: „Könnte ein FeNO-Test mir helfen, mein Asthma besser zu kontrollieren?“
  • Halte deine Werte in einer App oder einem Tagebuch fest - besonders wenn du deine Medikamente wechselst.
  • Vermeide Essen, Trinken, Rauchen oder Sport eine Stunde vor dem Test.
  • Wenn dein Arzt den Test nicht anbietet: Frag nach, ob es eine Allergiepraxis oder ein Lungenspezialist in deiner Nähe gibt, der FeNO misst.
  • Wenn deine Krankenkasse den Test ablehnt: Lass dir von deinem Arzt einen schriftlichen Begründungstext geben - oft hilft das.

Wie oft sollte man FeNO messen?

Wenn dein Asthma stabil ist, reicht ein Test alle drei bis sechs Monate. Wenn du gerade eine neue Behandlung beginnst, oder deine Symptome sich verschlechtern, sollte der Test alle vier bis acht Wochen wiederholt werden. In Kliniken und Spezialzentren wird er oft als Standardteil der jährlichen Asthma-Bewertung genutzt - genauso wie die Spirometrie.

Wichtig: Der FeNO-Test ist kein „einmaliger“ Check. Er ist ein Werkzeug zur Verlaufsbeobachtung. Wie ein Blutdruckmessgerät - nur für deine Lunge.

Kommentare

  • Heinz Zimmermann

    Heinz Zimmermann Dezember 26, 2025

    Endlich mal ein Test, der nicht nur sagt, dass du schlecht atmest, sondern warum. Ich hab das letzte Jahr mit Spirometrie rumgemacht, dabei war das Problem die Entzündung, nicht die Luftmenge. FeNO hat mir das Leben gerettet. Einfach, schnell, kein Stress. Wer das nicht nutzt, verpasst die Zukunft.

  • Jean-Pierre Buttet

    Jean-Pierre Buttet Dezember 27, 2025

    Interessant, dass man hier so leichtfertig von type-2-Inflammation spricht, als wäre es ein etablierter Standard. Die meisten Kliniken haben noch nicht mal die Kalibrierung ihres NIOX VERO korrekt dokumentiert. Und dann kommt jemand mit Smartphone-App und glaubt, er hätte Asthma verstanden. Peinlich.

  • Peter Priegann

    Peter Priegann Dezember 28, 2025

    Ich hab das letzte Mal gemessen, war bei 67 ppb, hab den Arzt gefragt, was jetzt, und der hat gesagt 'mach weiter wie bisher'. Also wozu der Test? Wenn der Wert nix ändert, ist das nur teures Spielzeug. Und die App? Die zeigt mir noch nicht mal, ob ich richtig geatmet hab. Ich hab den Sensor mal ausprobiert, der hat mir gesagt, ich atme wie ein verstopfter Abfluss. Danke, aber nein.

  • Tim Schneider

    Tim Schneider Dezember 29, 2025

    Es ist nicht nur der Wert. Es ist, dass man endlich etwas hat, das nicht auf Vermutung beruht. Ich hatte jahrelang die Diagnose 'chronische Bronchitis', obwohl ich nie geraucht hab. FeNO hat gezeigt: Entzündung. Keine Infektion. Kein Rauchen. Nur mein Immunsystem hat verrückt gespielt. Das ist Macht. Nichts anderes.

  • Matthias Wiedemann

    Matthias Wiedemann Dezember 30, 2025

    Ich find's toll, dass das endlich mehr Leute nutzen. Aber ich hab auch schon erlebt, dass jemand den Test abgelehnt hat, weil er 'sich gut fühlt'. Und dann kam der Notfall. FeNO zeigt dir, was unter der Oberfläche ist. Wie ein Thermometer bei Fieber – du fühlst dich vielleicht okay, aber du hast trotzdem 39 Grad. Das ist kein Luxus, das ist Vorsorge.

  • Denis Haberstroh

    Denis Haberstroh Dezember 31, 2025

    Und wer bezahlt das? Die Kasse will Beweise, der Arzt will Geld, die Firma will verkaufen. Ich hab den Test in drei Praxen gemacht – jedes Mal anderes Ergebnis. Entweder ist das ein Betrug oder die Technik ist so schlecht, dass sie mehr Verwirrung bringt als Klarheit. Wer kontrolliert das? Niemand. Das ist medizinisches Theater.

  • Achim Stößer

    Achim Stößer Januar 1, 2026

    hab den test letztens gemacht war bei 32 hab gedacht jetzt kommt die steroid spritze aber der doc hat nur gesagt halt abstand vom staub und mehr schlaf… also echt? nach so ner technik und dann so ne einfache lösung? ich glaub ich habs falsch verstanden

  • Leonie Illic

    Leonie Illic Januar 1, 2026

    Es ist ja faszinierend, wie schnell wir uns von einer simplen, billigen Technik wie der Spirometrie verabschieden, um uns dann an ein teures, kompliziertes Gerät zu klammern, das von einem Unternehmen mit 47 Patenten und einem Marketingbudget von 12 Millionen Euro vermarktet wird. Wer profitiert hier wirklich? Der Patient? Oder der Aktienkurs von Aerocrine? Ich sag’s mal so: Wenn du deine Entzündung messen willst, könntest du auch einfach deinen Blutdruck messen – und dann aufhören, in der Stadt zu leben.

  • Petter Larsen Hellstrøm

    Petter Larsen Hellstrøm Januar 2, 2026

    In Norwegen haben wir das seit 2021 als Standard. Keine Kassenstreitigkeiten, kein Gezeter. Jeder Asthmatiker bekommt das Gerät kostenlos, die Daten fließen direkt in die digitale Akte. Wenn du in Deutschland so viel Aufhebens machst, liegt es nicht am Test. Es liegt am System. Und das ist traurig.

  • Thomas Halbeisen

    Thomas Halbeisen Januar 3, 2026

    FeNO der neue Götterglaube der Medizin… wer misst hat recht… wer atmet falsch hat Schuld… die Wissenschaft hat sich selbst zum Propheten gemacht… und wir sind die Gläubigen die stumm in die Maschine atmen… während die echten Ursachen – Angst, Umwelt, Kapitalismus – einfach weiterwachsen…

  • Heinz Zimmermann

    Heinz Zimmermann Januar 3, 2026

    Ich hab das jetzt seit zwei Jahren im Alltag. Ich messe jeden Monat. Wenn der Wert steigt, nehm ich mehr Inhalator – nicht weil der Arzt sagt, sondern weil ich es sehe. Ich hab seitdem keinen Notfall mehr gehabt. Kein Krankenhaus. Kein Steroid-Boom. Einfach: Daten. Handeln. Leben.

  • Caspar Commijs

    Caspar Commijs Januar 5, 2026

    Und wer sagt, dass das nicht alles von der Pharma-Industrie erfunden wurde? Die haben doch schon die Spirometrie abgeschafft, weil sie nicht profitabel war. Jetzt kommt FeNO – teuer, kompliziert, und nur mit speziellen Geräten. Wer zahlt? Wir. Wer profitiert? Die Firma. Wer versteht es? Der Doktor. Wer leidet? Der Patient. Ich sag’s mal so: Wenn du einen Test brauchst, um zu merken, dass du nicht mehr atmen kannst… dann hast du schon verloren.

  • ine beckerman

    ine beckerman Januar 5, 2026

    Ich hab den Test gemacht. Wert: 42. Arzt: 'Du brauchst Biologika.' Ich: 'Wie viel?' Er: '20k/Jahr.' Ich: 'Und wenn ich das nicht zahlen kann?' Er: 'Dann atme halt schlecht.' Danke, Herr Doktor. Ich hab jetzt einen neuen Hobbys: Kaffee trinken und husten. Es ist billiger.

  • Sina Tonek

    Sina Tonek Januar 7, 2026

    Ich finde es wichtig, dass FeNO als Werkzeug dient – nicht als Ersatz für Gespräch. Ein Wert ist kein Urteil. Ein Wert ist ein Hinweis. Und wenn man ihn mit Empathie und Kontext liest, kann er wirklich helfen. Aber wenn man ihn als Waffe benutzt, dann ist er nur ein weiteres Symbol für eine Medizin, die vergessen hat, dass Patienten Menschen sind.

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