Wie Sie Medikamentennamen, Stärken und Darreichungsformen sicher überprüfen

Wie Sie Medikamentennamen, Stärken und Darreichungsformen sicher überprüfen
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 7 Jan 2026 1 Kommentare

Ein Medikament zu nehmen, das nicht für Sie bestimmt ist, kann tödlich sein. Jedes Jahr sterben in den USA allein in Krankenhäusern etwa 7.000 Menschen an vermeidbaren Medikationsfehlern. Die meisten davon passieren, weil jemand den Namen, die Stärke oder die Darreichungsform eines Medikaments falsch verstanden hat. Das ist kein Problem, das nur Ärzte oder Apotheker betrifft. Wenn Sie oder ein Familienmitglied Medikamente einnehmen, müssen Sie wissen, wie man diese drei Dinge sicher überprüft: Medikamentennamen, Stärken und Darreichungsformen.

Warum die Überprüfung so wichtig ist

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen ein Rezept für Insulin 100 Einheiten/ml. Aber der Apotheker liest es als Insulin 10 Einheiten/ml - und gibt Ihnen die falsche Flasche. Das ist kein theoretisches Szenario. Es passiert. In einer Umfrage unter Apothekentechnikern wurde festgestellt, dass 29 % der Fehler durch die Verwechslung von „U“ (für Einheiten) mit „0“ entstehen. Ein Patient nimmt dann zehnmal mehr als geplant - und erleidet eine lebensbedrohliche Unterzuckerung.

Oder Sie bekommen eine Tablette mit dem Namen Prednison, aber die Aufschrift ist verschwommen. Sie denken, es sei Prednisolon. Beide Medikamente sehen fast gleich aus. Doch sie wirken unterschiedlich stark. Ein Fehler hier kann zu schweren Nebenwirkungen führen - von Gewichtszunahme bis hin zu Knochenabbau.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA und die Institute for Safe Medication Practices (ISMP) haben nach Jahrzehnten Forschung klare Regeln aufgestellt. Sie sagen: Wenn eine Angabe fehlt, ist das genauso gefährlich wie eine falsche Angabe. Die häufigste Ursache für Medikationsfehler ist nicht die Unkenntnis, sondern die Unvollständigkeit.

So überprüfen Sie den Medikamentennamen

Beim Namen geht es nicht nur darum, ob er richtig geschrieben ist. Es geht darum, ob er eindeutig ist. Viele Medikamente klingen oder schreiben sich ähnlich. Morphin und Magnesiumsulfat werden beide mit „MS“ abgekürzt. In Notaufnahmen wird das noch immer falsch interpretiert - mit tödlichen Folgen.

Hier ist, was Sie tun müssen:

  • Lesen Sie den Namen laut vor - nicht nur im Kopf. Sagen Sie: „Prednison 5 mg“ - nicht nur „Prednison“.
  • Prüfen Sie, ob der Name in der Originalverschreibung genau so steht. Vergleichen Sie mit dem Etikett der Packung.
  • Vermeiden Sie Abkürzungen. „MS“ ist verboten. „U“ für Einheiten ist verboten. „mcg“ statt „μg“ ist Pflicht.
  • Wenn der Name schwer lesbar ist, fragen Sie nach. Ein Apotheker oder Pfleger sollte Ihnen den Namen laut und deutlich nennen - und dann noch einmal wiederholen, was Sie gesagt haben.
Ein bewährter Trick aus Krankenhäusern ist der „Read-Back“-Prozess: Sie wiederholen den Namen, die Stärke und die Form, bevor Sie das Medikament einnehmen. Das verhindert 89 % der Fehler, die in Umfragen von Krankenschwestern gemeldet wurden.

So überprüfen Sie die Stärke - und was Sie nie vergessen dürfen

Die Stärke ist der Teil, der am häufigsten falsch verstanden wird. Nicht weil die Leute dumm sind - sondern weil die Schreibweise verwirrend ist.

Beispiel: Ein Medikament steht als Epinephrin 1:10.000 auf dem Rezept. Das klingt wie ein Verhältnis. Aber in der Praxis ist das eine Konzentration. Die korrekte Schreibweise lautet: Epinephrin 0,1 mg/ml. Wer das nicht weiß, kann eine 100-fache Dosis geben - und einen Patienten töten.

Hier sind die Regeln:

  • Immer ein Leerzeichen zwischen Zahl und Einheit: „10 mg“, nicht „10mg“. Das verhindert 12 % der Fehler laut ISMP.
  • Verwenden Sie immer einen führenden Null: „0,5 mg“, nicht „.5 mg“. Ein Punkt kann leicht übersehen werden.
  • Bei Flüssigkeiten: Stärke = Gewicht pro Volumen (z. B. mg/ml). Bei Tabletten: Gewicht pro Einheit (z. B. mg/Tablette).
  • Bei Injektionen: Vermeiden Sie Verhältnisse wie „1:1000“. Schreiben Sie immer die Konzentration um - z. B. „1 mg/ml“.
Eine Studie der FDA zeigte, dass 34 % der gemeldeten Medikationsfehler zwischen 2013 und 2017 auf falsch verstandene Stärken zurückgingen. In 61 % dieser Fälle wurde die Stärke nicht mit dem Originalrezept verglichen. Das ist der größte Fehler: Sie verlassen sich auf Ihre Erinnerung - statt zu prüfen.

Apotheker und Patientin bestätigen gemeinsam Medikamentendetails laut, QR-Code sichtbar im Hintergrund.

So erkennen Sie die richtige Darreichungsform

Die Darreichungsform sagt Ihnen, wie das Medikament eingenommen wird: Tablette, Kapsel, Sirup, Salbe, Injektion, Inhalation?

Ein Fehler hier ist besonders gefährlich. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen eine Creme, die für die Haut gedacht ist - aber Sie schlucken sie, weil die Aufschrift „für äußere Anwendung“ klein gedruckt ist. Das kann zu schweren Vergiftungen führen.

So vermeiden Sie das:

  • Prüfen Sie immer die Form auf der Packung - nicht nur auf dem Rezept.
  • Wenn das Rezept nur „Tablette“ sagt, aber die Packung „Kapsel“ enthält: Fragen Sie nach. Das ist kein kleiner Unterschied.
  • Achten Sie auf Hinweise wie „langsam freigesetzt“, „mit Nahrung“ oder „kauen“. Das ist Teil der Darreichungsform.
  • Vermeiden Sie Medikamente mit unklaren oder verschwommenen Etiketten. Die FDA hat festgestellt, dass 23 % der Fehler auf schlechte Druckqualität zurückzuführen sind.
Ein Fall aus dem Mayo Clinic: Eine Patientin bekam ein Medikament als „Sirup“ verschrieben. Die Packung war aber eine Tablette. Sie hätte es einfach geschluckt - ohne zu merken, dass es nicht für die Einnahme bestimmt war. Glücklicherweise hat eine Krankenschwester den Fehler entdeckt, weil sie die Packung mit dem Rezept verglichen hat.

Die drei Punkte, an denen Sie immer prüfen müssen

Es reicht nicht, das Medikament nur einmal zu prüfen. Sie müssen es an drei Stellen tun:

  1. Beim Empfang des Rezepts: Prüfen Sie, ob Name, Stärke und Form vollständig und klar geschrieben sind. Fragwürdige Abkürzungen? Fragen Sie nach.
  2. Beim Zubereiten: Vergleichen Sie das Medikament, das Sie aus der Packung nehmen, mit dem Rezept. Lesen Sie das Etikett laut vor - und sagen Sie es laut.
  3. Beim Einnehmen: Noch einmal: Name? Stärke? Form? Und: Ist es für mich bestimmt? Prüfen Sie den Namen auf dem Etikett mit Ihrem Namen.
Diese drei Schritte sind die Grundlage jeder sicheren Medikation. Sie kosten nicht viel Zeit - aber sie retten Leben. Eine Studie an 45 Krankenhäusern zeigte: Wer diese drei Punkte regelmäßig befolgt, reduziert Fehler um 63 %.

Was Sie vermeiden müssen - und warum

Einige Dinge sollten Sie niemals tun - egal wie stressig es ist:

  • Nie abkürzen: „U“ für Einheiten, „MS“ für Morphium, „QD“ für täglich - all das ist verboten. Nutzen Sie immer „Einheit“, „Morphinsulfat“, „täglich“.
  • Nie verlassen Sie sich auf das System: Elektronische Systeme sind nützlich, aber sie irren sich. Ein Arzt berichtete, dass er einen Fehler übersehen hat, weil das System „ok“ angezeigt hat - obwohl die Stärke falsch war. Das nennt man „Automatisierungsfehler“.
  • Nie vertrauen Sie der Erinnerung: Sie haben das Medikament schon mal eingenommen? Das ist kein Grund, nicht zu prüfen. Die Form kann sich geändert haben. Die Stärke wurde angepasst. Der Name wurde aktualisiert.
  • Nie ignorieren Sie unsichere Etiketten: Wenn die Schrift klein, verschwommen oder schlecht kontrastiert ist - fragen Sie nach einer neuen Packung. Die FDA hat 2023 festgestellt, dass 23 % der Fehler auf schlechte Etiketten zurückzuführen sind.
Frau scannt QR-Code am Medikament, während sie eine Tablette in die Wochenbox legt, digitale Daten schweben darüber.

Was tun, wenn Sie unsicher sind?

Sie sind nicht allein. Selbst erfahrene Pflegekräfte und Apotheker fragen nach - und das ist richtig.

Wenn Sie unsicher sind:

  • Halten Sie das Medikament an. Machen Sie nicht weiter.
  • Sprechen Sie mit dem Apotheker oder dem Pflegepersonal. Sagen Sie: „Ich möchte sicher sein, dass ich das richtige Medikament bekomme.“
  • Verwenden Sie die „Read-Back“-Methode: „Ich nehme jetzt Prednison 5 mg als Tablette - stimmt das?“
  • Wenn es um Hochrisiko-Medikamente geht - wie Insulin, Heparin oder Morphium - verlangen Sie eine zweite Überprüfung. Viele Krankenhäuser verlangen das bereits.
Ein Krankenschwester aus Texas berichtete, wie sie einen 100-fachen Überdosisfehler verhinderte: Sie sah, dass das Rezept „Heparin 5.000 Einheiten/ml“ sagte - aber die Flasche „50 Einheiten/ml“ trug. Sie hat nicht einfach angenommen, dass es ein Druckfehler war. Sie hat nachgefragt. Und hat so ein Leben gerettet.

Was sich gerade ändert - und warum das für Sie wichtig ist

Die Medizinwelt verändert sich. Die FDA plant ab 2024, dass alle digitalen Medikamentenetiketten maschinenlesbar sein müssen - mit klaren Feldern für Name, Stärke und Form. Das bedeutet: In Zukunft werden Sie vielleicht ein QR-Code auf der Packung sehen, den Sie mit Ihrem Handy scannen können - und dann steht da genau: Medikament: Prednison | Stärke: 5 mg | Form: Tablette.

Krankenhäuser setzen zunehmend auf Barcode-Systeme. Wenn Sie ein Medikament bekommen, wird es gescannt - und das System prüft automatisch, ob es mit Ihrem Rezept übereinstimmt. In 92 % der US-Krankenhäuser funktioniert das bereits. In Deutschland wird das langsam eingeführt.

Aber das Wichtigste bleibt: Technik hilft - aber sie ersetzt nicht Ihre Aufmerksamkeit. Die besten Systeme der Welt können nicht verhindern, dass jemand den Namen nicht liest. Das können nur Sie.

Was Sie jetzt tun können

Sie brauchen keine Ausbildung, um sicher zu sein. Sie brauchen nur drei Dinge:

  1. Prüfen Sie immer - Name, Stärke, Form - bei jedem Medikament, egal wie oft Sie es schon eingenommen haben.
  2. Sprechen Sie laut - wenn Sie sich unsicher sind. Sie haben das Recht, Fragen zu stellen.
  3. Verlangen Sie Klarheit - wenn Etiketten unleserlich sind oder Abkürzungen verwendet werden.
Medikamentensicherheit ist keine Frage des Vertrauens. Sie ist eine Frage der Prüfung. Und Sie sind der wichtigste Kontrollpunkt.

Kommentare

  • Håvard Paulsen

    Håvard Paulsen Januar 8, 2026

    Ich hab das letzte Jahr meine Oma dabei unterstützt, ihre Medikamente zu checken und das mit dem laut Vorlesen hat echt geholfen
    Jetzt macht sie das sogar selbst, ohne dass ich dran denken muss
    Kein großes Drama, aber es zählt

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