Shingles-Impfung: Wer sie braucht und wann sie am besten gemacht wird

Shingles-Impfung: Wer sie braucht und wann sie am besten gemacht wird
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 11 Dez 2025 8 Kommentare

Fast jeder dritte Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens Gürtelrose. Die Krankheit ist nicht nur schmerzhaft, sie kann auch Jahre lang mit schweren Nervenschmerzen belasten - und das, obwohl es eine wirksame Impfung gibt. Die gute Nachricht: Die heutige Impfung, Shingrix, schützt zuverlässig. Die schlechte Nachricht: Viele Menschen wissen nicht, ob und wann sie sie bekommen sollten.

Was ist Gürtelrose und warum ist die Impfung wichtig?

Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt, entsteht, wenn das Varizella-Zoster-Virus, das früher Windpocken ausgelöst hat, im Körper wieder aktiv wird. Es ruht jahrelang in den Nerven, dann - oft mit steigendem Alter oder bei geschwächtem Immunsystem - erwacht es. Die Folge: ein schmerzhafter, bläschenartiger Hautausschlag, meist an einer Körperseite, oft am Rumpf oder Gesicht.

Der größte Risikofaktor ist das Alter. Ab 50 steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich. Bei Menschen über 70 ist das Risiko mehr als doppelt so hoch wie bei 50-Jährigen. Und nicht jeder erholen sich ohne Folgen. Etwa jeder fünfte Betroffene entwickelt Postherpetische Neuralgie (PHN): eine chronische, oft unerträgliche Nervenschmerzform, die Monate oder Jahre anhalten kann. Die Schmerzen können so stark sein, dass Schlafen, Anziehen oder sogar eine Berührung unmöglich wird.

Die Impfung mit Shingrix ist der beste Schutz dagegen. Sie reduziert das Risiko, Gürtelrose zu bekommen, um über 90 % - und das bei Menschen im Alter von 50 bis 80 Jahren. Bei PHN ist der Schutz sogar noch höher. Und im Gegensatz zur alten Impfung (Zostavax) ist Shingrix auch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem geeignet.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Empfehlung ist klar: Alle Erwachsenen ab 50 Jahren sollten sich mit Shingrix impfen lassen - unabhängig davon, ob sie schon einmal Gürtelrose hatten oder nicht. Selbst wer schon eine Gürtelrose durchgemacht hat, kann erneut betroffen sein. Die Impfung verhindert auch einen erneuten Ausbruch.

Das gilt besonders für:

  • Menschen ab 50 Jahren - das ist der offizielle Startpunkt
  • Menschen ab 60 Jahren - hier ist das Risiko besonders hoch
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Asthma
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem - etwa durch Krebsbehandlung, Organtransplantation, HIV oder langfristige Cortison-Einnahme
  • Menschen ab 19 Jahren mit erhöhtem Immunrisiko - hier ist die Impfung ebenfalls empfohlen, aber mit leicht abgewandeltem Schema

Die Impfung ist nicht nur für Senioren wichtig. Wer 50 ist, hat noch viele Jahre vor sich - und die Wahrscheinlichkeit, Gürtelrose zu bekommen, steigt mit jedem Jahr. Früh impfen bedeutet länger geschützt sein.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Impfung?

Shingrix wird in zwei Dosen verabreicht. Der optimale Abstand zwischen der ersten und zweiten Dosis liegt bei 2 bis 6 Monaten. Das ist der Standard für gesunde Erwachsene ab 50 Jahren.

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann der Abstand verkürzt werden: Die zweite Dosis kann schon 1 bis 2 Monate nach der ersten gegeben werden - mindestens aber 4 Wochen (28 Tage). Wenn die zweite Dosis zu früh verabreicht wird (also vor 28 Tagen), muss sie wiederholt werden.

Wenn du gerade eine Krebsbehandlung abschließt, eine Transplantation hinter dir hast oder bald mit immunsuppressiven Medikamenten beginnst, sprich mit deinem Arzt. In diesen Fällen wird oft empfohlen, die Impfung kurz vor Beginn der Therapie zu planen - also wenn das Immunsystem noch am stärksten ist.

Es gibt keinen „zu spät“-Termin. Selbst wenn du 80 bist oder schon Gürtelrose hattest - die Impfung hilft noch. Die Wirksamkeit bleibt auch nach sieben Jahren hoch, besonders bei Menschen über 70.

Wie funktioniert die Impfung?

Shingrix ist kein Lebendimpfstoff. Er enthält nur ein einzelnes Protein des Virus (Glykoprotein E) plus einen starken Wirkverstärker (Adjuvans AS01B). Das bedeutet: Es kann keine Gürtelrose auslösen. Das ist der große Vorteil gegenüber der alten Impfung Zostavax, die vor 2020 abgeschafft wurde.

Die Impfung wird als Spritze in den Oberarm gegeben. Du bekommst die erste Dosis, dann die zweite - und das ist’s. Kein Wiederholen, keine jährlichen Nachimpfungen. Der Schutz hält mindestens sieben Jahre an, wahrscheinlich länger. Studien laufen noch, aber bisher gibt es keinen Hinweis, dass eine dritte Dosis nötig ist.

Shingrix wird nicht zur Vorbeugung von Windpocken verwendet. Es ist nur für Gürtelrose und ihre Komplikationen zugelassen.

Drei ältere Menschen erhalten gemeinsam die Shingrix-Impfung in der Apotheke, umgeben von Schutzlichtern.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Shingrix ist sehr wirksam - aber nicht immer angenehm. Die meisten Menschen spüren die Impfung.

Typische Nebenwirkungen treten in den ersten 1-3 Tagen nach der Impfung auf:

  • Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle (bei 78 % der Geimpften)
  • Müdigkeit (bei 38 %)
  • Kopfschmerzen (bei 34 %)
  • Muskel- oder Gliederschmerzen (bei 45 %)
  • Fieber oder Schüttelfrost (bei 15-20 %)

Das klingt nach viel - und ist es auch. Aber: Diese Reaktionen sind kurzfristig. Sie verschwinden meist innerhalb von 2-3 Tagen. Und sie sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem stark reagiert - genau das ist der Plan.

Viele Menschen, die die Impfung bekommen haben, sagen später: „Es war unangenehm, aber ich würde es sofort wieder machen.“ Die Schmerzen von Gürtelrose sind weitaus schlimmer und viel länger anhaltend.

Wichtig: Wenn du eine schwere Allergie gegen einen Bestandteil von Shingrix hast (z. B. Polysorbat 80), darfst du nicht impfen. Das ist sehr selten.

Wie viel kostet die Impfung?

In Deutschland wird die Shingrix-Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen für alle Menschen ab 60 Jahren übernommen. Das ist seit 2019 der Fall.

Für Menschen ab 19 Jahren mit erhöhtem Immunrisiko - also mit chronischen Erkrankungen oder Immunschwäche - wird die Impfung ebenfalls von der Krankenkasse bezahlt, wenn der Arzt sie als medizinisch notwendig einstuft.

Wenn du unter 60 bist und gesund bist, musst du die Impfung selbst bezahlen. Die Kosten liegen bei etwa 160 bis 180 Euro pro Dosis. Zwei Dosen also rund 320-360 Euro. Viele private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten auch für jüngere Patienten - erkundige dich bei deiner Versicherung.

Es lohnt sich, nachzufragen. Die Impfung verhindert nicht nur Schmerzen, sondern auch Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche und Monate der Arbeitsunfähigkeit.

Was ist mit der alten Impfung Zostavax?

Zostavax, der frühere Impfstoff, ist seit 2020 nicht mehr verfügbar. Er war weniger wirksam (nur etwa 50 % Schutz), enthielt ein abgeschwächtes Lebenvirus und durfte nicht bei Menschen mit Immunschwäche gegeben werden. Er war auch nur eine Einzeldosis - aber das war kein Vorteil, denn der Schutz war viel geringer und kürzer.

Wenn du Zostavax schon bekommen hast, solltest du trotzdem Shingrix nachimpfen. Die CDC und die STIKO empfehlen, mindestens 8 Wochen nach Zostavax mit Shingrix zu beginnen. Der Schutz durch Shingrix ist so viel besser, dass es sich lohnt, auch nach einer früheren Impfung umzusteigen.

Kontrast: Eine glückliche ältere Frau im Garten mit Schutzschild vs. eine schmerzende Gestalt mit entzündeten Nerven.

Wo kann man sich impfen lassen?

Die Impfung kann bei deinem Hausarzt, in einer Impfpraxis oder in vielen Apotheken durchgeführt werden. In Deutschland sind viele Apotheken berechtigt, Impfungen durchzuführen - auch Shingrix. Das ist oft bequemer, weil du nicht auf einen Termin beim Arzt warten musst.

Frage vorher an: Ist Shingrix vorrätig? Manche Apotheken bestellen ihn erst bei Bedarf, weil er teuer ist und eine spezielle Kühlung braucht. Rufe an, bevor du hinfährst.

Die Impfung dauert nur wenige Minuten. Danach wird empfohlen, noch 15-30 Minuten in der Praxis oder Apotheke zu warten - nur zur Sicherheit, falls es zu einer seltenen allergischen Reaktion kommt.

Was kommt als Nächstes?

Die Forschung geht weiter. GlaxoSmithKline, der Hersteller von Shingrix, testet gerade eine Einzeldosis-Version in klinischen Studien. Wenn sie erfolgreich ist, könnte sie in den nächsten Jahren die Zwei-Dosen-Regel ablösen - und die Impfquote weiter erhöhen.

Auch die Empfehlungen werden sich ändern. Die American Geriatrics Society rät jetzt schon, über eine Impfung ab 50 Jahren zu sprechen - nicht erst ab 65. In Deutschland wird das wahrscheinlich auch bald Standard sein.

Die Bevölkerung altert. Bis 2030 wird jeder fünfte Deutsche über 65 sein. Gürtelrose wird damit zu einer der häufigsten Infektionskrankheiten im Alter. Die Impfung ist nicht nur eine medizinische Wahl - sie ist eine Lebensqualitätsentscheidung.

Was, wenn ich zögere?

Die häufigste Begründung, warum Menschen die Impfung nicht machen: „Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen.“

Das ist verständlich. Aber stell dir das so vor: Du verbringst drei Tage mit Kopfschmerzen und einem steifen Arm - und dann hast du 7-10 Jahre Schutz vor einem Schmerz, der dich Monate lang im Bett festhält. Oder du sagst: „Ich nehme das Risiko.“ Und dann wachst du eines Morgens auf - und dein ganzer Körper fühlt sich an, als würde er brennen. Und du weißt: Das hätte man verhindern können.

Die Impfung ist nicht perfekt - aber sie ist die beste Option, die wir haben. Und sie ist sicher. Tausende von Menschen in Deutschland und weltweit haben sie bekommen - und die meisten sagen: Es war die beste Entscheidung ihres Lebens.

Kann ich mich impfen lassen, wenn ich schon einmal Gürtelrose hatte?

Ja, du kannst und sollst dich impfen lassen, auch wenn du schon Gürtelrose hattest. Die Krankheit erhöht das Risiko für einen erneuten Ausbruch. Die Impfung mit Shingrix senkt dieses Risiko um mehr als 90 %. Du solltest mindestens sechs Monate nach dem letzten Ausbruch warten, bevor du dich impfen lässt - aber danach ist es sicher und empfohlen.

Ist die Impfung auch für junge Erwachsene sinnvoll?

Die offizielle Empfehlung in Deutschland gilt ab 60 Jahren. Für Menschen zwischen 50 und 59 Jahren ist die Impfung nicht automatisch kostenfrei, aber medizinisch sinnvoll - besonders wenn du chronische Krankheiten hast, rauchst, übergewichtig bist oder unter Stress stehst. Wer ab 50 impfen lässt, ist länger geschützt. In den USA wird ab 50 empfohlen - und auch in Deutschland wird diese Empfehlung bald folgen.

Was passiert, wenn ich die zweite Dosis vergesse?

Wenn du die zweite Dosis nicht innerhalb von 2-6 Monaten bekommst, musst du sie nicht von vorne beginnen. Auch wenn es ein Jahr oder länger her ist: Gib einfach die zweite Dosis nach. Der Schutz wird nicht ungültig. Die Impfung funktioniert auch mit längeren Abständen - nur nicht so optimal wie mit dem empfohlenen Zeitraum. Aber besser spät als gar nicht.

Kann ich mich impfen lassen, wenn ich Krebs habe oder eine Chemotherapie mache?

Ja - aber der Zeitpunkt ist entscheidend. Wenn du eine Chemotherapie oder Strahlentherapie bekommst, solltest du die Impfung vor Beginn der Behandlung bekommen, wenn dein Immunsystem noch stark ist. Wenn du bereits in der Therapie bist, sprich mit deinem Onkologen. In vielen Fällen kann die Impfung trotzdem gegeben werden - besonders mit Shingrix, da es kein Lebendimpfstoff ist. Die zweite Dosis kann bei Immunschwäche auch nach nur einem Monat gegeben werden.

Hat die Impfung mit COVID-19-Impfungen zu tun?

Nein. Shingrix hat nichts mit den COVID-19-Impfstoffen zu tun. Du kannst Shingrix und den Corona-Impfstoff gleichzeitig verabreichen - aber in unterschiedliche Arme. Oder du kannst sie mit einem Abstand von einigen Tagen oder Wochen verabreichen. Es gibt keine Wechselwirkung. Wenn du dich gerade von einer COVID-19-Erkrankung erholt hast, warte mindestens zwei Wochen, bevor du dich mit Shingrix impfen lässt.

Kommentare

  • Max Reichardt

    Max Reichardt Dezember 12, 2025

    Shingrix ist der beste Schutz, den wir haben. Ich hab’s mir letztes Jahr machen lassen – drei Tage armweh, aber kein einziger Schmerz danach. War die beste Investition in meine Zukunft.

  • Nina Hofman

    Nina Hofman Dezember 13, 2025

    Ich hab’s auch gemacht, nachdem meine Oma drei Jahre lang nachts geschrien hat wegen der Nervenschmerzen. Ich will das nicht wiederholen. Die Nebenwirkungen sind ein Klacks im Vergleich.

  • Christian Privitera

    Christian Privitera Dezember 15, 2025

    Ich hab’s meiner Mama gesagt, die 58 ist und Diabetes hat. Sie dachte, sie ist zu jung. Hab ihr den Artikel geschickt. Heute Morgen hat sie gesagt: „Ich mach’s nächste Woche.“ 😊 Das ist der Sinn von Infos teilen.

  • Thorvald Wisdom

    Thorvald Wisdom Dezember 15, 2025

    90% Schutz? Ach wirklich? Und wer bezahlt die Studien? GlaxoSmithKline, das gleiche Unternehmen, das uns früher gesagt hat, Aspirin sei sicher für Kinder. Wer glaubt noch an Impfstatistiken, die von Pharmafirmen finanziert werden? Ich trinke lieber Zitronenwasser mit Ingwer – das ist natürlicher.

  • Ronan Lansbury

    Ronan Lansbury Dezember 17, 2025

    Die Impfung ist ein perfektes Beispiel für staatliche Manipulation. Warum gibt es keine Studien, die zeigen, dass Gürtelrose nur bei Menschen auftritt, die zu viel Zucker essen? Nein, natürlich nicht. Die Pharmaindustrie braucht ihre Einnahmen. Du bist nur ein Konsument, der glaubt, er sei gesund, weil er sich impfen lässt.

  • Jan prabhab

    Jan prabhab Dezember 17, 2025

    Es ist traurig, wie schnell wir uns von Angst leiten lassen, statt von Verständnis. Gürtelrose ist kein Feind – es ist unser Körper, der erinnert: Du bist älter geworden. Die Impfung ist kein Sieg über die Natur, sondern eine Art, mit der Zeit zu versöhnen. Ich hab’s gemacht, nicht aus Angst, sondern aus Respekt. Für meinen Körper. Für meine Zukunft. Für die Tage, an denen ich noch ohne Schmerzen in die Sonne gehen will.

  • Heinz Zimmermann

    Heinz Zimmermann Dezember 19, 2025

    Ich hab die zweite Dosis vergessen – war neun Monate später dran. Hat trotzdem funktioniert. Die Apotheke hat gesagt: „Kein Problem, du bist nicht dumm, du bist nur menschlich.“ Und das ist ja das Schöne: Die Impfung ist nicht perfekt, aber sie ist für uns da. Egal, ob du pünktlich bist oder nicht.

  • Mary Lynne Henning

    Mary Lynne Henning Dezember 21, 2025

    Ich hab’s mir mal überlegt, aber dann dachte ich: Wenn ich’s kriege, kriege ich’s. Warum mir das alles antun? Ich hab keine Lust auf drei Tage armweh. Echt, wer braucht das?

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