Pharmazeutische Margen: Wie Generika den Gewinn von Apotheken beeinflussen

Pharmazeutische Margen: Wie Generika den Gewinn von Apotheken beeinflussen
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 13 Jan 2026 0 Kommentare

Die meisten Menschen denken, dass Apotheken viel Geld mit teuren Medikamenten verdienen. Doch die Wahrheit ist anders: Generika sind der wahre Gewinnmotor - nicht weil sie teuer sind, sondern weil sie so oft verkauft werden. In den USA werden 90 % aller verschriebenen Medikamente als Generika abgegeben. Doch diese billigen Pillen bringen mehr Gewinn als die teuren Markenprodukte - und das ist ein Paradoxon, das die ganze Branche verändert.

Warum Generika mehr Gewinn bringen als teure Markenmedikamente

Ein Markenmedikament kann 500 Dollar kosten. Ein Generikum für denselben Wirkstoff kostet 3 Dollar. Klingt, als würde die Apotheke bei der billigen Variante kaum etwas verdienen. Doch genau das Gegenteil ist wahr. Die Bruttomarge auf Generika liegt bei durchschnittlich 42,7 %. Bei Markenmedikamenten ist sie nur 3,5 %. Das bedeutet: Eine Apotheke verdient fast 13-mal mehr pro Rezept, wenn sie ein Generikum abgibt - selbst wenn der Preis 100-mal niedriger ist.

Warum? Weil die Preise für Generika so niedrig sind, dass Apotheken sie mit hohen Prozentsätzen aufschlagen dürfen. Ein 3-Dollar-Generikum wird oft mit 4,50 Dollar verkauft - das ist eine 50 %ige Marge. Ein 500-Dollar-Markenmedikament wird vielleicht nur mit 515 Dollar verkauft - das ist eine 3 %ige Marge. Die Apotheke verdient bei 100 Generika-Rezepten mehr als bei 10 Marken-Rezepten.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Generika machen nur 25 % der gesamten Ausgaben für verschriebene Medikamente aus, aber 96 % des Gewinns der Apotheken. Markenmedikamente hingegen verursachen 75 % der Kosten, aber liefern nur 4 % des Gewinns. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines Systems, das seit den 1980er Jahren bewusst so aufgebaut wurde.

Wer verdient wirklich an Generika - und wer verliert?

Es ist nicht nur die Apotheke, die von Generika profitiert. Die gesamte Lieferkette hat sich umgeschichtet. Hersteller machen bei Markenmedikamenten 76,3 % Bruttomarge, bei Generika nur 49,8 %. Aber die Apotheken? Bei Markenmedikamenten: 3,5 %. Bei Generika: 42,7 %. Das ist der größte Sprung in der gesamten Kette.

Doch dahinter steckt noch ein zweiter Akteur: die Pharmacy Benefit Managers (PBMs). Diese Unternehmen verhandeln mit Apotheken über die Preise, die sie erstatten. Sie kassieren den Unterschied zwischen dem, was sie von Krankenkassen verlangen, und dem, was sie an die Apotheke zahlen. Das nennt sich „Spread Pricing“. Ein PBM verlangt von der Krankenkasse 10 Dollar für ein Generikum, zahlt der Apotheke aber nur 6 Dollar - und behält 4 Dollar als Gewinn. Die Apotheke denkt, sie verdient 4,50 Dollar, aber in Wirklichkeit hat sie nur 2 Dollar Netto übrig - nachdem sie den Mietvertrag, das Personal und die Stromrechnung bezahlt hat.

In manchen Fällen geht es noch schlimmer: Die PBMs führen „Clawbacks“ durch. Das bedeutet: Die Apotheke hat das Medikament verkauft, das Geld ist schon eingegangen - und dann bekommt sie eine Rechnung vom PBM: „Wir haben zu viel gezahlt. Geben Sie 2 Dollar zurück.“ Das passiert oft, wenn der PBM den Preis nachträglich senkt. Die Apotheke hat das Geld schon ausgegeben - und jetzt muss sie es aus eigener Tasche nachzahlen.

Die Krise der unabhängigen Apotheken

Diese Margenstruktur hat die kleinen Apotheken in eine schwere Lage gebracht. Vor zehn Jahren verdienten sie noch 8-10 % Netto auf Generika. Heute sind es 2 % - und das, obwohl die Mieten, die Gehälter und die Versicherungsprämien um 35 % gestiegen sind. In Ohio hat ein Apotheker gesagt: „Ich arbeite 60 Stunden die Woche, um 2 % Gewinn zu machen. Das ist kein Geschäft mehr. Das ist Überleben.“

In den USA sind 40 % aller Apotheken unabhängig. Sie liefern 11 % der Rezepte ab - aber sie verlieren. Zwischen 2018 und 2023 sind 3.000 unabhängige Apotheken geschlossen worden. Die großen Ketten wie CVS oder Walgreens haben ihre eigenen PBMs, sie verhandeln besser, sie haben mehr Macht. Die kleinen bleiben mit den schlechtesten Konditionen sitzen.

Ein weiteres Problem: Viele Generika werden jetzt nur noch von einem einzigen Hersteller produziert. Früher gab es fünf Hersteller - der Preis fiel, weil sie sich bekämpften. Heute gibt es nur noch einen. Kein Wettbewerb. Kein Preisdruck. Und plötzlich kostet das Generikum mehr als das Markenprodukt. In einigen Fällen ist das schon passiert - und die Apotheke kann nichts dagegen tun. Der PBM zahlt nur einen festen Betrag. Der Hersteller hat den Preis hochgesetzt. Die Apotheke verliert Geld, egal was sie macht.

Apothekerin sieht erschöpft auf ein rotes Rückzahlungssignal auf ihrem Tablet, Schatten einer PBM-Firma im Hintergrund.

Wie Apotheken überleben - und manchmal sogar gewinnen

Einige Apotheken haben sich angepasst. Sie verkaufen nicht mehr nur Pillen. Sie bieten Medikationsmanagement an: Sie prüfen, ob ein Patient zu viele Medikamente nimmt, ob sie miteinander in Konflikt stehen, ob er sie richtig einnimmt. Für diese Dienstleistung bekommen sie eine feste Gebühr - nicht von den PBMs, sondern direkt von der Krankenkasse. Das ist ein stabileres Einkommen.

Andere haben sich auf Spezialmedikamente konzentriert. Diese Medikamente sind teuer, aber sie brauchen besondere Lagerung, spezielle Beratung, regelmäßige Kontrolle. Dafür bekommen Apotheken höhere Erstattungen. Sie werden zu Spezialisten - nicht mehr zu einfachen Verkäufern.

Einige haben ganz auf die PBMs verzichtet. Sie verkaufen Medikamente direkt an Patienten - bar, ohne Versicherung. Einige bieten Generika für 20 Dollar plus 3 Dollar Servicegebühr an. Das ist transparent. Der Patient weiß, was er zahlt. Die Apotheke weiß, was sie verdient. Diese Modelle wachsen - und sie sind der Beginn einer neuen Ära.

Was kommt als Nächstes?

Die Regierung greift ein. Der Inflation Reduction Act ab 2026 wird die Preise für einige teure Medikamente senken - das könnte indirekt auch die Margen der PBMs drücken. Die Federal Trade Commission hat bereits Klagen gegen Hersteller eingereicht, die Preise bei Generika künstlich hochhalten. Einige Bundesstaaten wie Kalifornien und Texas haben Gesetze erlassen, die PBMs verpflichten, ihre Preiskalkulationen offen zu legen.

Aber die größte Veränderung kommt vielleicht von außen: Amazon, Costco und Mark Cuban mit seinem „Cost Plus Drug Company“ bieten Generika zu transparenten Preisen an. Amazon verkauft bestimmte Generika für 5 Dollar - und sagt genau, wie viel das Medikament kostet, wie viel der Versand kostet, wie viel der Gewinn ist. Keine versteckten Spreads. Keine Clawbacks. Keine Geheimnisse.

Das ist ein direkter Angriff auf das alte System. Und es funktioniert. Cost Plus Drug Company hat bereits eine Million Rezepte pro Monat abgewickelt. Patienten lieben es. Apotheken, die mitmachen, sehen ihre Umsätze steigen.

Patienten erhalten transparente Generika von einer Apothekerin, Schild 'Keine PBMs' im Hintergrund, Sonnenlicht durchscheint.

Was bedeutet das für Sie?

Wenn Sie ein Patient sind: Fragen Sie nach Generika. Fragen Sie, ob es eine billigere Option gibt. Fragen Sie, ob die Apotheke einen Direktverkauf anbietet. Sie zahlen oft weniger, wenn Sie bar bezahlen - selbst wenn Sie Versicherung haben.

Wenn Sie Apotheker sind: Überlegen Sie, ob Sie sich von den PBMs lossagen können. Lernen Sie, wie man Medikationsmanagement anbietet. Suchen Sie nach Spezialmedikamenten, die mehr Gewinn bringen. Bauen Sie eine Beziehung zu Ihren Patienten auf - nicht nur zu den PBMs.

Wenn Sie Politiker sind: Fordern Sie Transparenz. Fordern Sie ein Ende von Clawbacks. Fordern Sie, dass mehr Hersteller Generika produzieren - nicht nur einer. Denn wenn nur einer produziert, ist der Markt nicht mehr fair. Und dann ist die Apotheke nicht mehr der Helfer. Sie ist das Opfer.

Die Zukunft der Apotheke

Die Apotheke war einmal ein Ort der Vertrauenswürdigkeit. Ein Ort, wo man Fragen stellen konnte. Wo man Beratung bekam. Wo man wusste, dass jemand aufpasst.

Heute ist sie oft nur noch ein Verkaufspunkt - mit einem System, das sie ausbeutet. Aber das ändert sich. Weil Patienten mehr wissen. Weil neue Modelle entstehen. Weil man endlich begreift: Gewinn muss nicht aus Versteckung kommen. Gewinn kann auch aus Transparenz, Qualität und Vertrauen entstehen.

Die Generika haben den Weg gezeigt. Jetzt muss die Apotheke nur noch den Mut haben, ihn zu gehen.

Warum verdienen Apotheken mehr an billigen Generika als an teuren Markenmedikamenten?

Apotheken verdienen mehr an Generika, weil die Preise so niedrig sind, dass sie mit hohen Prozentsätzen aufschlagen dürfen. Ein 3-Dollar-Generikum kann mit 4,50 Dollar verkauft werden - das ist eine 50 %ige Marge. Ein 500-Dollar-Markenmedikament wird oft nur um 15 Dollar teurer verkauft - das sind nur 3 % Marge. Die Menge macht den Unterschied: Generika werden 90 % der Zeit verschrieben, aber bringen 96 % des Gewinns.

Was sind „Clawbacks“ und warum sind sie für Apotheken problematisch?

Clawbacks sind Rückzahlungen, die Apotheken von Pharmacy Benefit Managers (PBMs) nachträglich verlangen, wenn der Erstattungspreis nach dem Verkauf gesenkt wird. Die Apotheke hat das Medikament bereits verkauft und das Geld erhalten - aber der PBM sagt später: „Wir haben zu viel gezahlt.“ Die Apotheke muss das Geld zurückzahlen, obwohl sie es schon ausgegeben hat. Das führt zu Cashflow-Problemen und manchmal sogar zu Verlusten.

Warum sinken die Gewinne von unabhängigen Apotheken?

Unabhängige Apotheken haben keine Macht, mit PBMs zu verhandeln. Sie bekommen schlechtere Erstattungssätze als große Ketten, die eigene PBMs haben. Gleichzeitig steigen ihre Kosten - Miete, Personal, Versicherungen. Während große Ketten durch Skaleneffekte und vertikale Integration profitieren, verlieren kleine Apotheken. Zwischen 2018 und 2023 sind 3.000 unabhängige Apotheken in den USA geschlossen worden.

Können Generika teurer sein als Markenmedikamente?

Ja, das ist möglich - und passiert immer häufiger. Wenn nur noch ein einziger Hersteller ein Generikum produziert, gibt es keinen Wettbewerb mehr. Der Preis steigt. In einigen Fällen ist das Generikum dann teurer als das Original-Markenmedikament. Die Apotheke kann nichts tun, weil der PBM nur einen festen Betrag zahlt - egal wie hoch der tatsächliche Preis ist.

Wie kann eine Apotheke ihre Gewinne verbessern?

Durch drei Wege: Erstens, Medikationsmanagement anbieten - das bringt feste Gebühren. Zweitens, auf Spezialmedikamente setzen - die haben höhere Erstattungen. Drittens, direkt mit Patienten verkaufen - ohne PBM, mit transparenten Preisen. Apotheken, die das tun, erreichen 3-5 % höhere Netto-Gewinne.