Ringworm und Tinea: Pilzinfektionen der Haut und wirksame Antipilz-Cremes

Ringworm und Tinea: Pilzinfektionen der Haut und wirksame Antipilz-Cremes
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 26 Feb 2026 0 Kommentare

Wenn du einen juckenden, ringförmigen roten Fleck auf der Haut siehst, denkst du vielleicht an einen Wurm. Aber das ist ein Irrtum. Ringworm - oder wissenschaftlich Tinea - ist keine Wurminfektion, sondern eine Pilzinfektion der Haut, des Haares oder der Nägel. Sie ist extrem ansteckend, verbreitet und oft unterschätzt. In Deutschland betrifft sie jedes Jahr Tausende, besonders Kinder, Sportler und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung ist sie in wenigen Wochen heilbar.

Was genau ist Ringworm?

Ringworm ist der umgangssprachliche Name für Dermatophytose, eine Infektion, die durch Pilze der Gattungen Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton verursacht wird. Diese Pilze ernähren sich von Keratin - einem Protein, das in Haut, Haaren und Nägeln vorkommt. Sie lieben warme, feuchte Umgebungen: Schwimmbäder, Umkleideräume, Sportgeräte, Handtücher oder enge Schuhe. Der Name „Ringworm“ kommt von dem typischen Aussehen: ein runder, roter, erhöhter Rand mit einer helleren, oft schuppigen Mitte. Es sieht aus wie ein Ring - aber es ist kein Wurm, sondern ein Pilz.

Die ersten Aufzeichnungen über solche Hautveränderungen stammen aus dem alten Ägypten - vor über 3.500 Jahren. Doch erst 1894 beschrieb der deutsche Dermatologe Paul Gerson Unna die Erkrankung wissenschaftlich als „Dermatophytose“. Heute wissen wir: Etwa 20-25 % der Weltbevölkerung haben mindestens einmal in ihrem Leben eine solche Infektion. In den USA allein treten jährlich rund 40 Millionen Fälle auf - das ist fast jeder dritte Besuch bei einem Hautarzt.

Welche Formen gibt es?

Nicht alle Ringworm-Infektionen sehen gleich aus. Die Art der Infektion hängt davon ab, wo der Pilz sich ansiedelt. Hier sind die häufigsten Formen:

  • Tinea corporis (Körperringworm): Der klassische Ring. Roter, juckender, schuppiger Kreis, meist 1-5 cm groß, oft am Oberkörper, Armen oder Beinen. Wächst innerhalb weniger Tage.
  • Tinea pedis (Fußpilz): Der bekannteste Typ. Juckt zwischen den Zehen, die Haut wird rötlich, schält sich, manchmal riecht es unangenehm. Ca. 15 % aller Fälle sind Fußpilz.
  • Tinea cruris (Jock itch): Betroffen sind die Innenseiten der Oberschenkel und der Leiste. Rote, juckende Flecken, besonders bei Schweißbildung. Trifft etwa 20 % der erwachsenen Betroffenen.
  • Tinea capitis (Kopfhautringworm): Nur bei Kindern häufig. Verursacht juckende, entzündete Stellen auf der Kopfhaut, manchmal mit Haarausfall oder eitrigem Knoten (Kerion). 60 % aller Kopfhautinfektionen betreffen Kinder unter 10 Jahren.
  • Tinea unguium (Nagelpilz): Betroffen sind vor allem Zehennägel. Sie werden dick, gelblich oder bräunlich, brechen leicht ab. Nagelpilz tritt dreimal häufiger an den Zehen als an den Fingern auf - einfach, weil Schuhe warm und feucht bleiben.

Die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen - liegt zwischen 4 und 14 Tagen. Manchmal dauert es aber auch bis zu drei Wochen, bis du etwas siehst.

Wie verbreitet sich der Pilz?

Ringworm ist ansteckend - aber nicht durch Luft. Du holst ihn dir durch:

  • Kontakt mit infizierter Haut (60 % der Fälle): Ein Handshake, ein Umarmung, ein Spiel im Sport - wenn jemand infiziert ist, kannst du ihn übertragen.
  • Kontakt mit kontaminierten Gegenständen (30 %): Handtücher, Bettwäsche, Kleidung, Sportgeräte, Duschböden. In öffentlichen Duschen ohne Schuhe laufen? Das erhöht dein Risiko um 45 %.
  • Tierkontakt (10 %): Katzen, Hunde, Kaninchen oder Ratten können Träger sein. Besonders riskant für Tierärzte, Tierhalter oder Kinder mit Haustieren. Etwa 15-20 % dieser Berufsgruppen entwickeln jährlich eine Infektion.

Wichtige Risikofaktoren: Schwitzen (Hyperhidrose betrifft 3 % der Bevölkerung), enge Schuhe, Sportarten mit Hautkontakt wie Ringen (84 % der Wrestler haben schon mal Ringworm), oder ein geschwächtes Immunsystem. Kinder, Senioren und Menschen mit Diabetes oder HIV haben ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe.

Wie wird es behandelt?

Die gute Nachricht: Fast alle Hautringworm-Infektionen lassen sich mit rezeptfreien Cremes heilen. Die wichtigsten Wirkstoffe:

  • Clotrimazol (1 %): Wirkt bei 70-80 % der Fälle. Muss zweimal täglich über 2-4 Wochen angewendet werden.
  • Miconazol (2 %): Etwas weniger wirksam, aber gut verträglich. Ebenfalls 2-4 Wochen nötig.
  • Terbinafin (1 %): Der Spitzenreiter. Wirkt bei 80-90 % der Fälle. Oft reichen schon 1-2 Wochen, weil es schneller wirkt. Viele Nutzer berichten von ersten Verbesserungen nach 3-5 Tagen.
  • Ketoconazol (2 %): Gut bei Entzündungen, aber etwas weniger effektiv als Terbinafin.

Die Anwendung ist einfach: Reibe die Creme nicht nur auf den sichtbaren Ring, sondern mindestens 2 cm darüber hinaus. Und - das ist entscheidend - nicht aufhören, sobald es nicht mehr juckt. 68 % der Betroffenen hören auf, wenn die Symptome besser werden. Das führt bei 45 % zu einer Rückkehr der Infektion.

Für Kopfhaut- oder Nagelpilz brauchst du meist Tabletten. Terbinafin (250 mg täglich) ist hier die Standardtherapie. Bei Tinea capitis heilt es in 6-8 Wochen bei 85-90 % der Kinder. Aber: Diese Tabletten müssen vom Arzt verschrieben werden, weil sie die Leber belasten können.

Drei Teenager in einer Umkleidekabine, eines zeigt einen Ringworm-Ausschlag, andere halten Handtücher und Flip-Flops.

Was hilft nicht?

Viele greifen zu Hausmitteln: Teebaumöl, Aloe Vera, Essig, Zwiebeln. Aber die Wissenschaft sagt: Keine klare Wirksamkeit. Eine Cochrane-Studie aus 2021 zeigt: Teebaumöl (5-10 %) reinigt nur 40-50 % der Infektionen - bei Pharmazeutika sind es 70-90 %. Einige Menschen berichten von Erleichterung, aber das ist subjektiv. Du kannst es probieren - aber nicht als Ersatz für eine bewährte Creme.

Was passiert, wenn du nichts tust?

Ringworm ist nicht lebensgefährlich - aber gefährlich genug. Unbehandelt breitet es sich in zwei Wochen auf 30-50 % mehr Hautfläche aus. Bei Kindern mit Tinea capitis kann sich ein eitriger Knoten (Kerion) bilden. Das führt zu Narben und dauerhaftem Haarausfall. Bei Menschen mit Diabetes oder HIV ist das Risiko für schwere Hautinfektionen 3,5-mal höher. Und: Du infizierst andere - deine Familie, deine Freunde, deine Mitschüler.

Wie verhinderst du es?

Verhütung ist einfacher, als zu behandeln. Hier sind die wirksamsten Maßnahmen:

  • Schuhträger in Duschen und Schwimmbädern: Reduziert das Risiko um 45 %.
  • Täglich Socken wechseln - bei starkem Schwitzen sogar zweimal täglich.
  • Niemals Handtücher, Kämme oder Kleidung teilen: Das senkt die Übertragungsrate um 30 %.
  • Haut trocken halten: Besonders nach dem Schwimmen oder Sport. Nutze ein sauberes Handtuch, trockne zwischen den Zehen gründlich.
  • Haustiere beobachten: Wenn deine Katze oder dein Hund ständig kratzt, bring sie zum Tierarzt. Pilzinfektionen bei Tieren sind oft erkennbar durch runde, haarlose Stellen.

Studien zeigen: Wer diese einfachen Regeln befolgt, reduziert sein Risiko um bis zu 70 %. Besonders wichtig in Schulen: In Deutschland erleben 15-20 % der Grundschulen jährlich mindestens einen Ausbruch mit 5-10 betroffenen Kindern. Früh erkennen, früh behandeln - das ist der Schlüssel.

Eine junge Frau appliziert Creme auf eine heilende Hautstelle, goldenes Licht strahlt aus der Creme, Blumenmuster wachsen hervor.

Was kostet die Behandlung?

Rezeptfreie Cremes kosten zwischen 5 und 15 Euro pro Tube. Der Durchschnitt liegt bei 8,75 Euro. Terbinafin-Creme (z. B. Lamisil AT) ist etwas teurer, aber oft effektiver. Oraltherapien (Tabletten) kosten je nach Rezept und Versicherung zwischen 25 und 150 Euro. In den USA werden jährlich über 500 Millionen Dollar für diese Behandlungen ausgegeben - ein riesiger Kostenfaktor, der sich mit guter Prävention vermeiden lässt.

Was sagen Betroffene?

Auf Foren wie Reddit oder Amazon lesen Betroffene: „Terbinafin hat mich gerettet.“ - „Clotrimazol hat nichts gebracht.“ - „Ich habe aufgehört, weil es nicht mehr juckte - und es kam zurück.“

Die Erfahrungen sind klar: Wer konsequent behandelt, wird schnell besser. Wer nur halbherzig ist, leidet länger. Und viele - besonders Jugendliche - fühlen sich wegen der sichtbaren Flecken gemobbt. Eine Umfrage aus 2022 zeigte: 73 % der Teenager mit Ringworm wurden in der Schule ausgeschlossen oder verspottet. Die Krankheit hat nicht nur einen körperlichen, sondern auch einen sozialen Preis.

Was kommt als Nächstes?

Ein neues Problem: Pilze werden resistent. Eine Studie aus 2022 zeigte, dass die Zahl der Terbinafin-resistenten Trichophyton-Stämme in den letzten vier Jahren um 12 % gestiegen ist. Das bedeutet: Was früher funktionierte, funktioniert vielleicht nicht mehr. Ärzte müssen dann auf andere Wirkstoffe oder längere Behandlungen ausweichen. Das macht Prävention noch wichtiger.

Ist Ringworm ansteckend für Tiere?

Ja. Menschen können Pilze an Katzen, Hunde oder Nagetiere übertragen - und umgekehrt. Wenn dein Haustier Haarausfall, juckende Stellen oder Schuppen hat, bringe es zum Tierarzt. Beide müssen behandelt werden, sonst wechselt der Pilz zwischen Mensch und Tier hin und her.

Kann ich mit Ringworm ins Schwimmbad gehen?

Nein - zumindest nicht, solange die Infektion aktiv ist. Du kannst andere anstecken, besonders über nasse Böden oder Handtücher. Warte, bis die Creme mindestens 10-14 Tage angewendet wurde und die Haut vollständig abgeheilt ist. Dann ist das Risiko verschwindend gering.

Warum hilft manchmal eine Creme nicht?

Drei Hauptgründe: 1) Du hast die Creme nicht lange genug verwendet - oft nur 3-5 Tage. 2) Du hast sie nur auf den Ring aufgetragen, nicht auf die umliegende Haut. 3) Der Pilz ist resistent, besonders bei wiederholten Infektionen. Wenn es nach 2-3 Wochen nicht besser wird, musst du zum Arzt.

Ist Ringworm bei Kindern gefährlicher?

Ja. Kinder bekommen häufiger Tinea capitis - Kopfhautringworm. Unbehandelt kann das zu eitrigen Knoten (Kerion) führen, die Narben und dauerhaften Haarausfall verursachen. Deshalb sollte jede juckende, haarlose Stelle auf dem Kopf sofort vom Arzt geprüft werden. Antibiotika helfen nicht - nur Antipilzmittel.

Kann ich die Creme auch auf die Nägel auftragen?

Ja - aber nur bei leichten Nagelveränderungen. Bei dicken, stark verfärbten Nägeln reicht Creme nicht aus. Du brauchst dann orale Medikamente. Die Creme kann als Ergänzung helfen, aber nicht als alleinige Therapie. Geduld ist wichtig: Nagelpilz braucht Monate, bis er verschwindet.

Ringworm ist kein Zeichen von Unsauberkeit. Es passiert jedem - und es ist heilbar. Der Schlüssel liegt in schnellem Handeln, konsequenter Behandlung und guter Hygiene. Du musst nicht lange leiden. Fang heute an - mit einer Creme, einem sauberen Handtuch und dem Wissen, dass du es in den Griff bekommst.