Herzrhythmusstörungen erklärt: Vorhofflimmern, Bradykardie und Tachykardie im Überblick

Herzrhythmusstörungen erklärt: Vorhofflimmern, Bradykardie und Tachykardie im Überblick
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 9 Aug 2026 0 Kommentare

Hast du schon einmal das Gefühl gehabt, dein Herz würde kurz aussetzen oder wie wild gegen deine Rippen schlagen? Vielleicht hast du dich dabei gefragt, ob alles in Ordnung ist. Diese Gefühle sind keine Einbildung. Sie sind oft die ersten Anzeichen dafür, dass der elektrische Impuls in deinem Herzen nicht mehr so läuft, wie er sollte. Man nennt das Herzrhythmusstörung (oder Arrhythmie). Es gibt viele verschiedene Arten, aber drei stehen besonders im Fokus, weil sie häufig vorkommen und unterschiedliche Risiken bergen: Vorhofflimmern, Bradykardie und Tachykardie.

Die gute Nachricht zuerst: Viele dieser Störungen lassen sich heute sehr gut behandeln. Die schlechte Nachricht: Wenn man sie ignoriert, können sie ernsthafte Folgen haben - von starker Erschöpfung bis hin zu einem Schlaganfall. In diesem Artikel schauen wir uns genau an, was diese drei Begriffe bedeuten, welche Symptome typisch sind und wie Ärzte sie diagnostizieren und therapieren. Keine Angst vor Fachbegriffen, wir halten es einfach und verständlich.

Was ist Vorhofflimmern und warum ist es gefährlich?

Vorhofflimmern (kurz AFib) ist eine der häufigsten ernsthaften Herzrhythmusstörungen weltweit. Bei einer gesunden Herzaktion ziehen sich die oberen Herzkammern, die Vorhöfe, rhythmisch zusammen, um Blut in die unteren Kammern zu pumpen. Beim Vorhofflimmern feuern die Nervenenden in den Vorhöfen jedoch chaotisch und unkoordiniert. Das Ergebnis: Der Vorhof „flimmert“ statt sich zusammenzuziehen.

Das hat zwei direkte Konsequenzen. Erstens wird das Herz often schnell und unregelmäßig schlagen. Zweitens und viel wichtiger: Weil das Blut nicht richtig gepumpt wird, kann es in den Vorhöfen stagnieren. Aus diesem stillstehenden Blut können sich Gerinnsel bilden. Wenn ein solches Gerinnsel losreißt und durch den Blutkreislauf wandert, kann es ein Gefäß im Gehirn verstopfen. Das führt zu einem Schlaganfall. Statistiken zeigen, dass das Risiko für einen Schlaganfall bei unbehandeltem Vorhofflimmern etwa fünfmal höher ist als bei Menschen mit normalem Sinusrhythmus.

Symptome von Vorhofflimmern im Vergleich zum Normalzustand
Merkmal Normaler Herzschlag Vorhofflimmern (AFib)
Rhythmus Regelmäßig, gleichmäßig Unregelmäßig, chaotisch
Geschwindigkeit 60-100 Schläge pro Minute (im Ruhezustand) Oft >100 Schläge pro Minute
Fühlbare Wirkung Meist unbemerkt Pochen, Flattern, Engegefühl in der Brust
Blutfluss in den Vorhöfen Effizienter Pumpmechanismus Stagnation, Thrombosenrisiko erhöht

Nicht jeder spürt sofort etwas. Manche Menschen leben monatelang mit AFib, ohne es zu merken (asymptomatisch). Andere leiden stark unter Müdigkeit, Kurzatmigkeit beim Gehen, Schwindel oder sogar Brustschmerzen. Da die Erkrankung fortschreitend sein kann - also mit der Zeit schlimmer werden kann - ist eine frühe Diagnose entscheidend. Je früher man eingreift, desto besser lässt sich der Rhythmus oft wieder stabilisieren.

Bradykardie: Wenn das Herz zu langsam schlägt

Während bei AFib das Herz oft zu schnell und unregelmäßig arbeitet, ist bei einer Bradykardie das Gegenteil der Fall. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „langsame Herzfrequenz“. Mediziner sprechen von Bradykardie, wenn der Ruhepuls dauerhaft unter 60 Schlägen pro Minute liegt.

Klingt das nach einem Problem? Nicht unbedingt. Hochtrainierte Sportler haben oft eine niedrige Herzfrequenz, weil ihr Herz sehr effizient arbeitet und mit jedem Schlag viel Blut pumpen kann. Für sie ist eine Frequenz von 40 bis 50 Schlägen pro Minute normal und gesund. Aber wenn du kein Ausdauerathlet bist und trotzdem eine niedrige Herzfrequenz hast, kann das ein Warnsignal sein.

Die Ursache liegt meist im sogenannten Sinusknoten, dem natürlichen Schrittmacher des Herzens. Wenn dieser Knoten altert, entzündet ist oder Narbenbildungen aufweist, sendet er zu wenige Signale. Auch bestimmte Medikamente, Schilddrüsenunterfunktion oder Elektrolyt-Ungleichgewichte können die Frequenz dämpfen. Typische Symptome treten dann auf, wenn das Gehirn und andere Organe nicht genug Sauerstoff bekommen. Dazu gehören:

  • Plötzlicher Schwindel oder Ohnmachtsanfälle (Synkope)
  • Starke Erschöpfung und Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kurzatmigkeit bei minimaler Belastung

Wenn die Bradykardie symptomatisch ist, muss behandelt werden. Oft reicht es nicht, nur Medikamente anzupassen. In vielen Fällen ist die Implantation eines künstlichen Herzschrittmachers notwendig. Dieses kleine Gerät sitzt unter der Haut am Oberkörper und sendet elektrische Impulse, sobald die eigene Herzfrequenz zu niedrig wird. So wird sichergestellt, dass das Herz immer mindestens eine Mindestfrequenz hält.

Ärztin erklärt Bradykardie mit EKG-Darstellung der Patientin

Tachykardie: Das rasende Herz

Tachykardie beschreibt allgemein eine Herzfrequenz, die über 100 Schläge pro Minute im Ruhezustand liegt. Anders als bei der Bradykardie ist das hier fast immer ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt - sei es im Herzen selbst oder im Körper insgesamt. Wichtig ist der Unterschied zwischen physiologischer und pathologischer Tachykardie.

Physiologisch bedeutet: Dein Herz reagiert angemessen auf eine Situation. Wenn du rennst, angstst oder Stress hast, schüttet dein Körper Adrenalin aus. Das beschleunigt den Puls. Sobald die Gefahr vorbei ist, sinkt er wieder ab. Das ist gesund. Pathologische Tachykardie hingegen tritt ohne offensichtlichen Grund auf oder bleibt auch in Ruhe hoch. Hier stecken oft Fehlschaltungen im elektrischen System des Herzens dahinter.

Man unterscheidet grob zwischen supraventrikulären Tachykardien (SVT), die ihren Ursprung oberhalb der Hauptkammern haben, und ventrikulären Tachykardien (VT), die in den unteren Kammern entstehen. SVT ist zwar oft beängstigend, da das Herz extrem schnell pocht, aber meist weniger lebensbedrohlich. Ventrikuläre Tachykardien sind ernster, da sie leicht in einen Kammerflimmern übergehen können, was ohne sofortige Defibrillation tödlich endet.

Auslöser für Tachykardien können Koffein, Alkohol, Nikotin, Schlafmangel oder auch Grunderkrankungen wie Bluthochdruck sein. Aber manchmal ist es ein sogenannter „Kurzschluss“ im Herzen, ein sogenannter Reentry-Mechanismus, bei dem ein elektrisches Signal in einer Schleife hängen bleibt und das Herz immer wieder neu anregt.

Diagnose: Wie stellt der Arzt die richtige Diagnose?

Da die Symptome von Herzrhythmusstörungen oft kommen und gehen, ist die Diagnose nicht immer einfach. Du merkst etwas beim Einkaufen, aber im Wartezimmer des Arztes schlägt dein Herz vielleicht wieder normal. Daher verlassen sich Ärzte auf mehrere Säulen der Diagnostik.

  1. 12-Kanal-EKG: Dies ist der Goldstandard. Es zeigt einen Momentaufnahme deines Herzrhythmus. Wenn du gerade im Akutfall bist, erkennt der Arzt hier sofort AFib, Blockaden oder schnelle Frequenzen.
  2. Langezeit-EKG (Holter- oder Zirkadianmonitor): Trägst du diesen kleinen Recorder 24 Stunden, 3 Tage oder sogar länger, fängt er auch seltene Episoden auf. Besonders wichtig bei intermittierendem Vorhofflimmern.
  3. Echokardiographie (Herzultraschall): Hier schaut man sich die Struktur des Herzens an. Sind die Vorhöfe vergrößert? Funktionieren die Klappen richtig? Gibt es Narben? Diese strukturellen Probleme sind oft die Ursache für die elektrischen Störungen.
  4. Bildgebende Verfahren: In komplexen Fällen kommen CT oder MRT hinzu, um Gewebeveränderungen detailliert darzustellen.

Zusätzlich werden Blutwerte geprüft. Ist die Schilddrüse überaktiv? Liegt ein Magnesiummangel vor? Solche metabolischen Ursachen müssen ausgeschlossen oder behandelt werden, bevor man ins Herz eingreift.

Frau joggt im Park mit Symbolen für gesunde Herzgesundheit

Behandlungsmöglichkeiten: Von Medikamenten zur Ablation

Die Therapie hängt stark davon ab, welche Art der Arrhythmie vorliegt und wie schwerwiegend sie ist. Es gibt keinen „One-size-fits-all“-Ansatz. Bei Vorhofflimmern zielt die Behandlung auf zwei Ziele ab: Kontrolle der Herzfrequenz/Rhythmus und Vorbeugung von Schlaganfällen.

Für die Schlaganfallprophylaxe werden meist sogenannte orale Antikoagulantien (OAK) verschrieben. Diese verdünnen das Blut, damit sich keine Gerinnsel bilden können. Früher musste man damit täglich INR-Werte kontrollieren lassen, heute gibt es moderne Mittel, die sicherer und einfacher einzunehmen sind.

Um den Rhythmus zu beeinflussen, gibt es verschiedene Wege:

  • Medikamente: Betablocker oder Calciumantagonisten bremsen das Herz. Antiarrhythmika versuchen, den normalen Sinusrhythmus wiederherzustellen.
  • Kardioversion: Ein gezielter elektrischer Schock unter Narkose, der das Herz „neustartet“. Oft erfolgreich bei akutem Vorhofflimmern.
  • Katheterablation: Hier wird ein Katheter über die Leiste ins Herz geführt. Mit Hitze (Radiofrequenz) oder Kälte (Kryoablation) werden die fehlerhaften Nervenbahnen vernarbt. Eine neuere Methode ist die Pulsfeldablation (PFA). Sie nutzt elektrische Felder, um gezielt Herzzellen zu zerstören, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen. Das gilt als sicherer und schneller als thermische Methoden.

Bei Bradykardie ist, wie erwähnt, oft ein Schrittmacher die Lösung. Bei Tachykardien kann ebenfalls eine Ablation helfen, indem der Kurzschluss im Herzen unterbrochen wird.

Lebensstil: Was kannst du selbst tun?

Medizin ist wichtig, aber dein Lebensstil spielt eine riesige Rolle. Studien zeigen klar, dass Übergewicht, Bluthochdruck und Schlafapnoe starke Treiber für Vorhofflimmern sind. Wenn du abnimmst, senkst du das Rückfallrisiko nach einer Behandlung drastisch.

Alkohol ist ein weiterer großer Feind des Herzrhythmus. Bereits zwei bis drei Gläser Wein können bei empfindlichen Personen einen AFib-Anfall auslösen („Holiday Heart Syndrome"). Rauchen solltest du komplett einstellen. Regelmäßige Bewegung ist gut, aber Vorsicht bei Extremausdauer: Sehr intensive Marathontraining kann bei manchen Menschen ebenfalls Arrhythmien fördern. Moderate Aktivitäten wie Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren sind ideal.

Achte auf deinen Stresslevel. Chronischer Stress hält den Sympathikus aktiv, was das Herz anfälliger macht. Techniken wie Meditation, Yoga oder einfache Atemübungen können helfen, das vegetative Nervensystem zu beruhigen.

Ist Vorhofflimmern lebensgefährlich?

Vorhofflimmern selbst führt selten direkt zum plötzlichen Herztod. Das größte Risiko ist jedoch ein Schlaganfall durch Blutgerinnsel. Wenn es unbehandelt bleibt, kann es auch zu einer Herzschwäche führen. Mit der richtigen Behandlung ist das Risiko aber gut kontrollierbar.

Ab wann muss ich zum Arzt wegen meines Pulses?

Solltest du einen unregelmäßigen Puls bemerken, der über einige Minuten anhält, oder wenn dein Ruhepuls regelmäßig über 100 oder unter 50 Schläge pro Minute liegt und du dich schwindelig oder müde fühlst, suche bitte ärztlichen Rat auf. Brustschmerzen oder extreme Atemnot sind immer ein Notfall.

Kann man Herzrhythmusstörungen vorbeugen?

Ja, teilweise. Ein gesunder Lebensstil mit normaler Körperfettmasse, blutdrucksenkender Ernährung, wenig Alkohol und regelmäßiger, moderater Bewegung reduziert das Risiko erheblich. Genetische Veranlagungen lassen sich jedoch nicht ändern.

Was ist der Unterschied zwischen einer Tachykardie und Vorhofflimmern?

Eine Tachykardie ist einfach ein zu schneller Herzschlag (über 100/min), der oft noch einen gewissen Rhythmus hat. Vorhofflimmern ist eine spezifische Form der Tachykardie, bei der der Rhythmus völlig unregelmäßig und chaotisch ist. AFib ist also eine Unterart der schnellen Herzrhythmusstörungen, aber mit speziellen Risiken.

Wie lange dauert eine Katheterablation?

Eine typische Ablation dauert zwischen zwei und vier Stunden, abhängig von der Komplexität. Die Nachbehandlung erfordert oft ein paar Tage Schonung. Moderne Methoden wie die Pulsfeldablation können das Verfahren noch kürzer und schonender gestalten.