Generika oder Markenmedikamente: Wie Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen

Generika oder Markenmedikamente: Wie Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen
Gesundheit & Medizin Torben Wehrle 19 Jan 2026 1 Kommentare

Stellen Sie sich vor: Sie gehen zur Apotheke, um Ihr Rezept abzuholen, und bekommen etwas anderes als das, was Ihr Arzt verschrieben hat. Die Packung ist anders, die Tablette hat eine andere Farbe, und der Preis ist deutlich niedriger. Was ist das? Ein Generika. Und ja, es ist genauso wirksam wie das teure Markenmedikament - vorausgesetzt, es ist richtig zugelassen.

Was ist eigentlich ein Generika?

Ein Generika ist eine chemische Kopie eines bereits patentierten Medikaments. Es enthält genau dieselbe Wirkstoffmenge, wirkt genauso im Körper und hat dieselben Nebenwirkungen wie das Original. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) verlangt, dass Generika bioäquivalent sind - das heißt, sie werden im Körper genauso schnell und in der gleichen Menge aufgenommen wie das Markenprodukt. Die zugelassene Abweichung liegt bei maximal 20 %, und in der Praxis liegt sie bei nur 3,5 %. Das ist nicht nur sicher, das ist wissenschaftlich belegt.

Warum sehen Generika dann anders aus? Weil es Gesetze gibt. In den USA dürfen Generika nicht identisch aussehen wie das Original, um Markenrechte zu respektieren. Deshalb haben sie andere Farben, Formen, Geschmacksrichtungen oder Füllstoffe. Aber der Wirkstoff? Der ist identisch. Und das ist alles, was zählt.

Warum sind Generika so viel billiger?

Markenmedikamente kosten viel, weil die Hersteller jahrelang in Forschung, klinische Studien und Werbung investiert haben. Diese Kosten müssen erst wieder eingenommen werden - und das passiert, während das Patent läuft. Ein Patent schützt ein Medikament typischerweise 20 Jahre ab Anmeldung. Danach können andere Unternehmen das gleiche Rezept nutzen, ohne die teuren Studien wiederholen zu müssen.

Das spart Milliarden. Zwischen 2007 und 2016 haben Generika den US-Gesundheitssystem insgesamt 1,67 Billionen Dollar eingespart. Jeder einzelne Patient spart im Durchschnitt 45 Dollar pro Rezept. In den USA werden heute neun von zehn verschriebenen Medikamenten als Generika abgegeben - aber sie machen nur 25 % der Gesamtkosten aus. Die übrigen 75 % kommen von den teuren Markenprodukten. Das ist kein Zufall. Es ist ein System, das die Preise künstlich hochhält.

Warum zögern manche Ärzte, Generika zu verschreiben?

Einige Ärzte schreiben „Dispense as Written“ auf das Rezept - also: „Nur das Original, kein Generikum“. Warum? Nicht, weil Generika schlechter wären. Sondern oft, weil sie unsicher sind - oder weil sie nicht genau wissen, wie gut Generika funktionieren.

Es gibt tatsächlich Ausnahmen: Medikamente mit engem therapeutischem Index, wie Warfarin (ein Blutverdünner) oder Antiepileptika. Hier ist die Dosis so kritisch, dass selbst kleine Unterschiede in der Aufnahme zu Problemen führen können. Einige Studien haben bei einzelnen Patienten kleine Schwankungen beobachtet, wenn sie zwischen verschiedenen Generika-Herstellern wechselten. Aber: Diese Fälle sind selten, und die FDA sagt klar - auch für diese Medikamente sind zugelassene Generika sicher und wirksam.

Der wahre Grund für die Zurückhaltung? Häufig ist es Gewohnheit. Oder der Eindruck, dass „teurer = besser“ ist. Dabei zeigt die Forschung: 89 % der Patienten spüren keinen Unterschied, wenn sie von einem Markenmedikament auf ein Generikum wechseln (Consumer Reports, 2022).

Apothekerin erklärt einem Patienten die Gleichwertigkeit von Generika und Markenmedikamenten an der Theke.

Was Sie vor dem Arztgespräch wissen sollten

Bevor Sie zum Arzt gehen, machen Sie sich klar: Sie haben das Recht, nach einem Generikum zu fragen. Sie haben das Recht, nach dem Preis zu fragen. Und Sie haben das Recht, zu fragen: „Warum genau dieses Medikament?“

Stellen Sie diese drei Fragen:

  1. „Gibt es ein Generikum für dieses Medikament?“
  2. „Wirkt es genauso gut wie das Original?“
  3. „Gibt es einen Grund, warum ich das Markenprodukt nehmen sollte?“

Wenn Ihr Arzt zögert, fragen Sie nach: „Warum?“ Nicht aggressiv, aber klar. Ein guter Arzt kann Ihnen erklären, warum er etwas empfiehlt - oder er gibt zu, dass es keine medizinische Notwendigkeit gibt.

Wenn Sie schon einmal Probleme mit einem Generikum hatten - z. B. ungewöhnliche Nebenwirkungen oder das Gefühl, dass es nicht mehr wirkt - sagen Sie das. Nicht weil es wahrscheinlich am Generikum liegt, sondern weil es wichtig ist, dass Ihr Arzt alles weiß. Vielleicht war es ein anderer Hersteller, oder Sie hatten eine andere Dosierung. Das muss dokumentiert werden.

Was passiert, wenn die Apotheke ein Generikum gibt, ohne dass Sie es wollen?

In vielen Bundesstaaten ist es gesetzlich vorgeschrieben: Wenn ein Generikum verfügbar ist, muss die Apotheke es abgeben - es sei denn, der Arzt hat „Dispense as Written“ geschrieben. Das bedeutet: Sie bekommen automatisch das billigere Medikament, wenn nichts anderes vermerkt ist.

Das ist gut für das System. Aber es kann verwirrend sein. Sie bekommen eine andere Tablette. Sie fragen sich: „Ist das das richtige?“

Die Lösung? Sprechen Sie mit dem Apotheker. 78 % der Bedenken von Patienten über Generika werden durch ein kurzes Gespräch mit dem Apotheker ausgeräumt. Er kann Ihnen zeigen, dass der Wirkstoff identisch ist, erklären, warum die Tablette anders aussieht, und Ihnen die Sicherheitsdaten zeigen.

Und wenn Sie wirklich das Markenprodukt wollen? Dann sagen Sie es. Sagen Sie: „Ich möchte das Original. Ich verstehe, dass es teurer ist, aber ich möchte es trotzdem.“ Der Apotheker wird es bestellen - wenn es verfügbar ist - und Ihr Arzt wird es vielleicht auf dem Rezept vermerken müssen.

Was ist mit Biosimilaren? Sind die auch Generika?

Nein. Biosimilare sind etwas anderes. Sie sind Nachahmungen von biologischen Medikamenten - also von komplexen Eiweißstoffen, die aus lebenden Zellen hergestellt werden, wie bei Krebsbehandlungen oder Rheuma-Medikamenten. Diese können nicht einfach kopiert werden wie ein chemisches Molekül. Deshalb heißen sie nicht „Generika“, sondern „Biosimilare“.

Und ja, auch Biosimilare sind wirksam und sicher. Die FDA prüft sie genauso streng. Aber sie sind nicht immer verfügbar. Nur 28 % der biologischen Medikamente haben heute ein Biosimilar auf dem Markt. Die Preise sind niedriger als das Original, aber nicht so niedrig wie bei klassischen Generika. Hier ist die Diskussion noch in den Anfängen.

Verschiedene Patienten in einer Arztpraxis mit Gedankenblasen, die die Vorteile von Generika zeigen.

Was Sie wirklich sparen können

Ein Patient mit Bluthochdruck, der täglich ein Medikament nimmt, spart mit einem Generikum bis zu 80 % der Kosten. Das sind pro Jahr 800 bis 1.200 Dollar - je nach Versicherung. Bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Depressionen summiert sich das auf Tausende pro Jahr.

Und das ist nicht nur Geld. Es ist auch Gesundheit. Ein Studie von Harvard zeigte: Patienten, die wegen hoher Kosten Medikamente nicht nehmen, sterben früher. Wenn ein Generikum die Kosten halbiert, nehmen mehr Menschen ihre Medikamente regelmäßig ein. Das rettet Leben.

Was passiert, wenn Sie wechseln - und nichts spüren?

Das ist normal. Und das ist gut.

Manche Patienten glauben, dass sie „etwas spüren“ müssen, wenn sie ein neues Medikament nehmen. Das ist ein psychologischer Effekt - der sogenannte Nocebo-Effekt. Wenn Sie denken, ein billigeres Medikament sei schlechter, dann spüren Sie vielleicht Nebenwirkungen, die gar nicht da sind.

Ein Kaiser Permanente Survey zeigte: 17 % der Patienten waren anfangs besorgt, als sie ein Generikum bekamen. Aber nachdem der Apotheker erklärt hatte, dass es genauso wirkt, waren 92 % zufrieden. Die Angst war größer als die Wirklichkeit.

Wenn Sie nach dem Wechsel wirklich neue Symptome haben - Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel - dann melden Sie das. Aber nicht sofort als „Das Generikum funktioniert nicht“. Notieren Sie: Wann ist es passiert? Hat sich etwas anderes geändert? Haben Sie andere Medikamente eingenommen? Ist der Schlaf anders? Vielleicht hat das gar nichts mit dem Medikament zu tun.

Was Sie jetzt tun können

Wenn Sie ein Rezept haben, fragen Sie:

  • „Gibt es ein Generikum?“
  • „Wie viel kostet das Original im Vergleich?“
  • „Ist es sicher, auf das Generikum umzusteigen?“
  • „Was mache ich, wenn ich denke, es wirkt nicht?“

Wenn Sie schon ein Generikum nehmen: Bleiben Sie dabei. Es ist sicher. Es ist wirksam. Und es spart Geld - für Sie, für Ihr System, für die Gesellschaft.

Und wenn Ihr Arzt sagt: „Das Original ist besser“ - fragen Sie nach Beweisen. Nicht mit Zweifel, sondern mit Neugier. Denn in den meisten Fällen wird er Ihnen sagen: „Nein, es ist gleich. Nur billiger.“

Kommentare

  • Lars Ole Allum

    Lars Ole Allum Januar 20, 2026

    Generika sind der Wahnsinn 😎 ich hab seit Jahren nur noch die gekauft und nie was gespürt außer weniger Geld weg 🤑 die Apotheke macht das automatisch und ich frag nie nach weil ich weiß dass es gleich ist

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